In der Gemarkung des Dorfes Bruchhausen heißt eine Flur noch heute "Die Alte Burg". Von einer Burg ist weit und breit nichts mehr zu sehen, nur noch einzelne Mauerreste wuchtiger Fundamente zeugen davon, dass hier in alten Zeiten wirklich eine Burg gestanden hat. Nachdem der alte Burgherr verstorben war, übernahm ein neuer, gewalttätiger und hartherziger Jungherr die Rechte des Burgherrn. Er mordete und verfolgte wahllos das Wild, welches bisher vom alten Burgherrn gepflegt und geschont wurde. Aber diese wilde Jagd fand einmal ihr schroffes Ende. Bei einem seiner wilden Jagdzüge schob sich vor das eigentliche Ziel, eine todgeweihte Hirschkuh, plötzlich ein zweites Ziel schützend und verbergend. Ein großes Auge blickt den Schützen durchdringend an. Der wilde Jäger setzt ab und schaut zitternd in das strafend blickende "Auge Gottes". Er eilt nach Hause in seine Burg und man findet ihn später hängend am Dachbalken. Aufatmend vom harten Sklavenjoch erwarten die Burgbauern einen neuen Burgherrn. Aber zunächst erhalten sie als Geschenk die Freiheit, die sie noch der alten Burgherrin zu verdanken hatten. An der einsamen Stelle, wo Gott eingegriffen hatte, erbauten die nun freien Bauern ein Kapellchen. Vom Giebel schaut den Besucher ein großes Auge an, streng, aber auch väterlich milde. Darunter steht der Spruch: "Das Auge Gottes sieht alles!" In der Nische sieht man das Bild des kreuztragenden Heilands. Ruhebänke laden zum Nachdenken und Verweilen ein.
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