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Keltensiedlung Altburg


55626 Bundenbach

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Die 1971 - 1974 unter Dr. R. Schindler vom Rheinischen Landesmuseum Trier durchgeführten Ausgrabungen gehören zu den bedeutendsten nach dem Kriege in Westdeutschland. Erstmals gelang es hier nämlich, nicht nur den Aufbau der Befestigung zu klären, sondern auch den gesamten Plan der Innenbebauung einer keltischen Burg aufzudecken. Das war möglich, weil aufgrund der vorherrschenden Pfostenbauweise die Ständerpfosten (ca. 3.600) der Gebäude und Zäune bis in den anstehenden Schieferfels eingetieft waren. Die Pfosten der Rekonstruktion sind in die alle noch original vorhandenen Löcher eingelassen.

Die Altburg ist eine in den beiden vorchristlichen Jahrhunderten genutzte keltische Kleinburg ("Castellum" im Gegensatz zu den größeren, stadtähnlichen "Oppida"), wie sie als kleine Zentren über das ganze Land verteilt waren. Der gut 2 Hektar große Bergsporn in einer Schleife des Hahnenbachs wurde an der ebenen Zugangsseite von einer besonders kräftigen Mauer aus Stützbalken und Trockenmauerwerk mit vorgelagertem Graben (als Versturzwall und Grabensenke noch gut erkennbar) abgeriegelt und an den steilen Flanken durch gleichartige, heute nicht mehr sichtbare Mauern gesichert. Der Torzugang mit Turm lag zurückgesetzt im Bereich des heutigen Zuweges zwischen Wall und Steilhang. Befestigung und Innenbebauung sind mindestens dreimal z. T. nach Brandkatastrophen erneuert worden. Die letzte Bautätigkeit ist 78 vor Christus bezeugt, 20 Jahre vor dem gallischen Eroberungskrieg Caesars, der auch das umliegende Land der keltischen Treverer in das römische Imperium eingliederte.

Die sehr dichte Innenbebauung lässt zwei Zonen erkennen. In der Oberburg ist gleich hinter dem Wall ein nochmals zweigeteilter Bereich mittels eines jetzt rekonstruierten Palisadenzaunes von der Unterburg abgeteilt. Die Rekonstruktionen beschränken sich auf diesen Bereich, der aber nur etwa ein Viertel des ähnlich dicht bebauten Innenraumes ausmacht. Die Oberburg zeichnet sich durch weitere Besonderheiten als wahrscheinlicher Sitz des Burgherren aus, so durch einen unter dem Schutzhaus erhaltenen Felskeller zu einem vermutlich besonders großen Oberbau.


Bei den Rekonstruktionen wurden die beiden häufigsten Gebäudetypen berücksichtigt: die Speicher auf kleinerer Grundfläche ruhen auf 4 oder 6 ursprünglich besonders mächtigen Pfosten. Zum Schutz gegen Nager und Bodenfeuchtigkeit ragt der verzimmerte Speicherkasten über und ist aufgesetzt. Um den bei den Rekonstruktionen gegebenen Spielraum zu verdeutlichen, ist einer der Speicher nicht mit Flechtlehm sondern mit Brettern ausgefacht. Derartige Speicher sind auf der Altburg derart zahlreich vertreten, dass dafür zumindest auch die Funktion eines befestigten Speicherplatzes angenommen werden kann. Aufgrund der Konstruktionsweise der Häuser eignen sich diese selbst nicht für das Stapeln nennenswerter Lasten auf dem Dach.


Die ebenerdigen Wohnhäuser sind relativ klein und waren vermutlich nicht zur Aufstallung von Vieh bestimmt. Paarig gegenüberstehende, vierkantig zugerichtete Wandpfosten sind durch Querbalken zu Jochen verbunden, diese durch aufgekämmte Balken im Wandverlauf verbunden. Die Firstpfette, auf der wiederum die Sparren liegen, ruht auf Firstsäulen in der Mittelachse des Hauses, von denen zwei in der Giebelwand sichtbar sind. Die Ausfachung der Wände erfolgt durch ein Flechtwerk aus Staken und Ruten, verputzt mit Lehm.

In den Stampflehmfußboden war zweifellos die offene Feuerstelle eingelassen, deren Rauch vermutlich durch das Stroh- (jetzt Reet-) Dach abzog. Besonders hinsichtlich der Ausführung von Details ist zu betonen, dass die Rekonstruktionen ein Kompromiss sind zwischen archäologischen und baugeschichtlichen Vorgaben und finanziellen, technischen und personellen Möglichkeiten.