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Kirchen und Klöster
Aktualisiert am: 21.05.2007
Beschreibung
Die Flurskapelle in Ulmet

Zu den ältesten Kirchen im mittleren Glantal zählt die Pfarrkirche zu Ulmet. Seit Jahrhunderten trägt sie den Namen "Flurskapelle". Es handelt sich um eine so genannte "Feldkirche" wie bei den anderen zwei bekannten allein stehenden Kirchen der Nordpfalz, nämlich der Kirche zu Hirsau (bei Offenbach-Hundheim) und der Zweikirche (bei Wolfstein). Solche Feldkirchen wurden nach Professor Dr. Ernst Christmann abseits der Siedlungen erbaut und dienten als Pfarrkirchen für einen weiten Umkreis von Dörfern. Die Flurskapelle wird erstmals im Jahr 1124 in einer Urkunde des Klosters Remigiusberg als "Capella" erwähnt. Die Regesten (Nr. 89) des Klosters Werschweiler nennen das Gotteshaus "Flurskapellen". Im 14. Jahrhundert findet sich der Name "Florus-Cappeln". Es war die Kapelle des heiligen Florus, wie Dr. Ernst Christmann darlegt. Die Erbauung der Flurskapelle fällt noch in das Ende des 11. Jahrhunderts. Die älteste Kirche trug die Jahreszahl 1091, die wohl als Erbauungsjahr anzusehen ist. Von dieser ältesten Kirche hat nur der frühromanische Turm die Zeiten überdauert. Dieser viergeschossige Turm verjüngt sich nach oben und hat vier Balkendecken. Die drei unteren Stockwerke weisen Lichtschlitze auf, die als Stileigenart des 11. Jahrhunderts bezeichnet werden können. Das letzte Obergeschoss hat anstelle dieser Schlitze vier Doppelfenster mit Rundsäulen. Den 27 Meter hohen Turm krönt ein achtseitiger Spitzenhelm.

Dem Besucher fällt immer wieder eine Besonderheit auf. An der Westseite des Turms ist ein etwa 80 Zentimeter hoher Kopf eingemauert. Vermutlich verwendete man diesen Stein als so genannten Kragstein, der entweder zur Auflagerung von Stein- und Holzkonstruktionen, zur Aufnahme von Kranlasten oder als Plattform für die Aufstellung einer Statue gedient haben mag.
Das Schiff der ersten Kirche in Ulmet war nicht so stabil gebaut wie der Turm und musste schon im Jahre 1299 durch einen Neubau ersetzt werden. Über diese Kirche erfahren wir einige Mitteilungen aus dem alten Weistum der Pfarrkirche Flurskapelle vom Jahre 1540. Als Kollator wird Pfalzgraf Ruprecht genannt, der von 1532 bis 1544 die Vormundschaft über seinen Neffen Wolfgang (1526-1569) führte. Die alte Baupflicht zeigt sich in diesem Weistum sehr vielschichtig. Die Kirchengemeinde hat den Turm und die eine Hälfte des Kirchenschiffes zu erstellen und zu unterhalten. Die zuständige Schaffnei ist verantwortlich für die andere Hälfte des Kirchenschiffes und das Pfarrhaus.

Aus dem Weistum erfahren wir auch von einer Ringmauer, die den Friedhof umgab und sicherlich mit dem Turm und der Kirche eine Einheit bildete. Diese Anlage konnte in unruhigen Zeiten den bedrängten Einwohnern einen gewissen Schutz gewähren. Man denke in diesem Zusammenhang an den befestigten Friedhof in Dörrenbach bei Bad Bergzabern. Die Ringmauer an der Flurskapelle hatten die Einwohner zu bauen und zu unterhalten.

Das Weistum erwähnt auch ein Taufbecken und eine Wasserkanne aus Messing und auch die berühmte Standuhr, die in praktischer Weise die Länge der Predigt des Pfarrers bestimmte. Die Kirche selbst besaß ein Schieferdach, während das Pfarrhaus, das in jener Zeit dem Gotteshaus benachbart war, wie die Bauernhäuser mit Stroh gedeckt war.

Das Visitationsprotokoll vom Jahre 1609 spricht von dem Pfarrhof "Flurs-Cappeln". Außer dem Pfarrer wohnten nur noch der Schultheiß und zwei Kirchenschaffner unmittelbar bei der Kirche.

Der Dreißigjährige Krieg ging nicht spurlos an dem alten Gotteshaus vorbei. Auf dem Gelände an der Flurskapelle besiegte Rheingraf Otto Ludwig am 24.5.1632 die Spanier so vernichtend, dass diese 1500 Gefangene und alle Bagage zurücklassen mussten. Es ist anzunehmen, dass im Verlaufe dieser Kampfhandlungen auch die Kirche und der Friedhof in Mitleidenschaft gezogen wurden, da man gegenüber solchen Stätten keine besonderes große Ehrfurcht an den Tag legte. Drei Jahre nach dieser Schlacht brandschatzten die kaiserlichen Truppen das Dorf Ulmet, wobei auch das Pfarrhaus in Flammen aufging. Die Kirche selbst scheint jedoch verschont geblieben zu sein. Lediglich die Fenster waren zerstört, so dass in der Folgezeit Wind und Wetter manche Schäden verursachen konnten. Aus dem Dreißigjährigen Krieg konnten folgende Inventurstücke gerettet werden, die 1655 genannt werden: ein großer silberner Kelch, eine zinnerne Kanne mit einer Röhre von drei Schoppen, ein Taufbecken aus Zinn, ein Altartuch und ein Handzwehlt. in einem Bericht an das Oberkonsistorium in Zweibrücken vom Jahre 1737 werden die baulichen Zustände als fast unerträglich bezeichnet: Stündlich drohe der Giebel am Turm einzustürzen; auf der Empore herrsche solche Dunkelheit, dass man die Lieder im Gesangbuch nicht lesen und deshalb auch nicht mitsingen könne; Schließlich sei das Gotteshaus bei der gestiegenen Einwohnerzahl auch viel zu klein und zu niedrig. Eine Ortsbesichtigung führte zu dem Ergebnis,. dass es nichts mehr zu reparieren gebe. Wenn man an einem Ende ein Stück aufbauen würde, dann fiele an anderer Stelle ebensoviel wieder zusammen. Die alten Fundamente sollten möglichst wieder verwendet werden.

Mit den Bemühungen um einen Neubau gingen die Bestrebungen des Ortspfarrers und der Gemeinde um eine Änderung der bisherigen baurechtlichen Verhältnisse Hand in Hand.

Schließlich fand die Frage der Baulastenverteilung eine neue Regelung: Die Gemeinde behielt weiterhin die Turmbaupflicht. Die Chorbaupflicht wurde modifiziert, indem sich die Gemeinde und die Kirchenschaffnei je zur Hälfte die Baukosten des neuen Kirchenschiffes teilen. Man verzichtete auf ein separiertes Chorhaus "mit seinen dunklen Kammern". Der Vertrag über den Neubau wurde von dem Kirchenschaffner Koch und den Zensoren abgeschlossen. Mit Ausnahme des alten Turms sollte ein vollständiger Neubau erstellt werden. Am 1.7.1737 erfolgte mittags um 12 Uhr endlich die feierliche Grundsteinlegung zur Kirche, die heute noch steht. Im Grundstein mauerte man ein Neues Testament, den Heidelberger Katechismus, das reformierte Gesangbuch, eine Flasche Wein und "ein Säcklein dieses Landes Frucht" ein.

Schon im November 1737 konnte der Rohbau vollendet werden. Während der Bauarbeiten versammelte man sich zu den Gottesdiensten in der Pfarrscheune. Im Frühjahr 1738 wurde das Gotteshaus seiner Bestimmung übergeben. Die Kosten für den Kirchenbau bezifferten sich auf 917 Gulden, 10 Kreuzer und neun Malter Korn. Dazu kamen noch die Hand- und Spanndienste der Gemeinde.

Der breite Saalbau erhielt einen dreiseitigen Schluss. Sechs Holzsäulen helfen die flache Decke tragen. Bei einer Flächengröße von 185 qm können einschl. der Empore rund 200 Personen Platz finden. Im Jahre 1847 erfolgte der Einbau einer Orgel durch die Gebrüder Stumm aus Rhaunen-Sulzbach. Der Helmknopf mit der Wetterfahne krönt seit 1862 den Turm.

Im Jahre 1956 wurde das altehrwürdige Gotteshaus grundlegend innen und außen renoviert. Im Jahre 1965 wurde die Außenfassade renoviert und im Erdgeschoss des Turmes ein Pfarrzimmer eingerichtet, das vom Kirchenschiff aus zugänglich gemacht wurde.

Im Jahre 1989 konnte die Prot. Kirchengemeinde Ulmet ein seit vielen Jahren geplantes Projekt durchführen: Die historische Restaurierung der Stummorgel aus dem Jahre 1847. Das Instrument war in den zurückliegenden Jahrzehnten seines Bestehens mehrfach Veränderungen unterworfen, deren Ursachen einerseits im Wandel des musikalischen Geschmacks zu sehen sind, die aber andererseits technische Gründe hatten. Die "musikalischen" Veränderungen bestanden darin, dass einzelne Register entfernt wurden, da ihr Klang als "unangemessen" empfunden wurde (z.B. wurde im Jahre 1893 die "Trompete" entfernt und durch eine "Flöte major" ersetzt). Noch 1935 wurden solche Änderungen ausgeführt. Die technischen Änderungen bestanden im Austausch der Gebläseanlage und schließlich im Jahre 1956 in der kompletten Versetzung der Orgel und den dadurch bedingten Änderungen in der Mechanik. Glücklicherweise waren bei der damaligen Versetzung klangliche Veränderungen unterblieben. Ziel der 1988 begonnenen Orgelrestaurierung war, das Instrument als "Stumm-Orgel" von 1847 wieder erlebbar zu machen. Die nach denkmalpflegerischen Grundsätzen vollzogene Restaurierung führte die Bonner Orgelbauwerkstatt Johannes Klais durch.

Im Rahmen dieser Orgelrestaurierung fand auch eine Innenrenovierung der Flurskapelle statt. Durch die Neuaufstellung der Orgel als Brüstungsorgel waren einige baulichen Veränderungen an der Empore erforderlich. Die Kanzel erhielt einen neu angefertigten Schalldeckel, da der alte leider bei der letzten Kirchenrenovierung 1956 entfernt wurde. Das Gestühl und der Deckenanstrich wurden überarbeitet; eine neue Heizungsanlage wurde installiert und der Innenraum erhielt einen neuen Anstrich.
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